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Selbstbehalt: ab welchem Betrag er sich nicht mehr lohnt

Ein Selbstbehalt senkt den Monatsbeitrag spürbar und wird deshalb gern empfohlen. Er lohnt sich aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Die Schwelle liegt dort, wo Ihre jährliche Ersparnis beim Beitrag genau der Summe entspricht, die Sie im Schadensfall selbst tragen. Darüber zahlen Sie doppelt. Die Rechnung dafür braucht drei Zahlen und zwei Minuten.

Die Rechnung in drei Schritten

Erstens: Beitrag ohne Selbstbehalt minus Beitrag mit Selbstbehalt, mal zwölf. Das ist Ihre Jahresersparnis. Zweitens: der Selbstbehalt selbst, also der Betrag, den Sie im Ernstfall tragen. Drittens: Ersparnis minus Selbstbehalt. Ist das Ergebnis positiv, lohnt sich der Selbstbehalt selbst in einem Jahr mit Behandlung. Ist es negativ, lohnt er sich nur in Jahren, in denen Sie gar nichts in Anspruch nehmen.

Warum die Antwort vom Alter abhängt

Mit 35 sind Jahre ohne nennenswerte Behandlung die Regel, und ein hoher Selbstbehalt ist meist ein gutes Geschäft. Mit 65 kehrt sich das um: Kontrolluntersuchungen, chronische Behandlungen und Medikamente sorgen dafür, dass der Selbstbehalt fast jedes Jahr ausgeschöpft wird. Dieselbe Rechnung, dasselbe Produkt, gegenteiliges Ergebnis.

Pro Jahr oder pro Fall: der entscheidende Unterschied

Prüfen Sie, ob der Selbstbehalt je Versicherungsjahr oder je Schadensfall gilt. Bei zwei Krankenhausaufenthalten in einem Jahr zahlen Sie ihn im zweiten Fall zweimal, im ersten nur einmal. Zwei Verträge mit identischem Selbstbehalt können sich in einem schlechten Jahr um ein Vielfaches unterscheiden. Diese Angabe steht in den Bedingungen, nicht im Angebot.

Was ein Selbstbehalt nicht ist

Er ist kein Rabatt für gute Kunden und kein Zeichen für einen besseren Tarif. Er ist eine Verlagerung des kleinen Risikos zu Ihnen, gegen einen niedrigeren Beitrag. Sinnvoll ist er, wenn Sie den Betrag jederzeit sofort verfügbar haben. Wer den Selbstbehalt im Ernstfall erst zusammensuchen müsste, hat das Risiko nicht übernommen, sondern nur verschoben.

Die Frage, die Sie zuerst stellen sollten

Nicht wie hoch der Selbstbehalt sein soll, sondern welchen Betrag Sie morgen ohne Nachdenken zahlen könnten. Diese Zahl ist Ihre Obergrenze. Alles darüber senkt zwar den Beitrag, verwandelt aber eine Versicherung in ein Versprechen, das Sie im entscheidenden Moment womöglich nicht einlösen können.

Häufige Fragen

Kann man den Selbstbehalt später ändern?

Meist nur zum Hauptfälligkeitstermin. Eine Senkung löst häufig eine erneute Gesundheitsprüfung aus, mit dem Risiko neuer Ausschlüsse.

Gilt der Selbstbehalt auch für Vorsorgeuntersuchungen?

Je nach Tarif unterschiedlich. Manche Verträge nehmen Vorsorge ausdrücklich aus, andere rechnen sie voll an.

Senkt ein Selbstbehalt den Beitrag stark?

Die Wirkung ist bei jüngeren Versicherten prozentual größer. Mit steigendem Alter fällt der Rabatt geringer aus, während die Wahrscheinlichkeit steigt, ihn jedes Jahr auszuschöpfen.

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